Pulverturm

Auf dem Höhenrücken des vorderen Erzberges wurde 1844 vom Königlichen Bergamt Amberg ein Turm gebaut der bis 1925 zum Lagern von Schwarzpulver und anderen Sprengstoffen verwendet wurde. 1903 ging er in das Eigentum der Stadt Amberg über, die ihn zum selben Zwecke bis 1925 an die Firma Eisen Schmidt vermietete. Ohne weitere Verwendung und Instandhaltung verfiel der Turm anschließend bis auf seine Grundfeste.

Pulverturm von 1844 bis 1888

Der Pulverturm diente als Lagerstätte für das Schwarzpulver, das damals zum Schießen (Sprengen) des Erzes in den naheliegenden Stollen verwendet wurde. Das Schwarzpulver wurde in Fässern oder Lederbeuteln geliefert und im verschließbarem Turm zwischengelagert. Der Turm bestand aus sieben Reihen passgenau geschnittener und knapp 50 cm dicken Steinquadern die auf einem acht-eckigen Fundament 3 m hoch aufbauten. Darauf kam ein (wohl) kegelförmiges leichtes Dach. Die lichte Weite betrug etwa 2,50 m. Aus Sicherheitsgründen stand der Turm abseits vom Ludwig- und Barbaraschacht sowie vom Mundloch des Theresienstollens.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Schwarzpulver zunehmend durch andere Sprengstoffe verdrängt, die nur mit speziellen (getrennt gelagerten) Sprengkapseln gezündet werden konnten. Die Lagerung konnte nun somit auch direkt unter Tage erfolgen, der Pulverturm wurde für den Bergbaubetrieb nicht mehr benötigt.

Pulverturm von 1888 bis 1925

Da der Pulverturm mit dem Einsatz neuerer Sprengstoffe als Lagerstätte zunehmend seine Bedeutung verlor, wurde er 1888 vom Königlichen Bergamt Amberg an den Eisenhandel Adalbert Schmidt aus Amberg verpachtet. Als das Bergamt den Turm 1903 kostenlos dem Stadtmagistrat Amberg überließ, bemühten sich der Verschönerungsverein Amberg, die Infanterie-Kaserne (die spätere Kaiser-Wilhelm-Kaserne) und auch wieder der Eisenhändler A. Schmidt um Überlassung des Turmes zur jeweils eigenen Verwendung. Der Verschönerungsverein hatte die Absicht den Turm als Aussichtsturm auszubauen, die Blaskapelle des Königlich Bayerischen 6. Infanterie-Regiments gedachte das abgeschiedene Gelände um den Pulverturm als Exerzierplatz zu nutzen und der Eisenhändler A. Schmidt wollte seinen bisherigen Pachtvertrag beim Bergamt nun mit der Stadt weiterführen. Die Stadt entschied sich 1904 für einen neuen Pachtvertrag mit dem Eisenhändler, der ihn zur Lagerung von höchsten 500 kg Pulver und einer kleinen Menge Sprengstoff (Roburit) nutzen durfte.

Im Pachtvertrag von 1904 betrug die jährliche Pacht lange Zeit nur 25 Mark, bis sie inflationsbedingt für den Monat Oktober 1923 auf 588 Mio. Mark stieg. Mit Einführung der Rentenmark im November 1923 wurde sie auf 2 Rentenmark pro Monat festgelegt. Da der Eisenhandel A. Schmidt zu dieser Zeit aber für den Turm keine weitere Verwendung mehr sah, wurde der Pachtvertrag zur Hochzeit der Inflation im Oktober 1923 gekündigt und lief endgültig zum Juli 1925 aus.

Pulverturm von 1925 bis 2010

Ab 1925, nach dem Auslaufen des Pachtvertrages mit dem Eisenhandel A. Schmidt,  finden sich in den Archiven, bezüglich der weiterer Verwendung des Turmes, keine Dokumente mehr. Zeitzeugen wissen nur mehr zu berichten, dass sie noch in den 60er Jahren am Pulverturm so manch abenteuerliche Stunden verbrachten.

In den nachfolgenden Jahren zerfiel der Turm zunehmend, wohl auch durch mutwillige Zerstörung bedingt, bis auf die Grundfeste.

Pulverturm um 2010

2010 hat sich eine Gruppe engagierter Menschen, um den damaligen Poppenrichter Heimatpfleger zusammengetan, die mittlerweile nur noch spärlich vorhandenen Grundsteine des Turmes, zumindest als Fundament, wieder sichtbar zu machen. Zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister und dem Luitpold-Hüttenvorstand legten sie symbolisch ein Schotterbett für den ersten Steinquader. Ein laminiertes Dokument „Bauvorhaben - Renovierung des Pulverturmes“, von damals zeugt noch heute von der Absicht, den Pulverturm wieder etwas mehr in Erinnerung zu bringen.

Pulverturm 2024

Heute findet man nur noch eine unvollständige erste Steinreihe des 3,5 m breiten Turmes vor. Weitere, der fast 200 kg schweren Steine, liegen verstreut, kaum mehr sichtbar im stark überwucherten Abhang zur Deponie. Die restlichen der insgesamt etwa 100 Steine sind vermutlich anderweitig verwendet worden oder wurden unter der vor 20 J aufgeschütteten Deponie begraben.

Die Idee aus 2010, mit einer Schautafel über die Geschichte des Pulverturmes zu informieren, konnte bisher nicht umgesetzt werden. So bleibt leider den vielen vorbei Wandernden bis heute der wahre historische Hintergrund dieses Fundamentes verborgen.