Karlschacht mit Schachtanlage

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurden am hinteren Erzberg über mehrere Schächte bis zu einer Tiefe von knapp über 70 m Erz gefördert. Anfang des 20. Jahrhunderts zeigten Schürfschachte weiteres abbauwürdiges Erz, so dass 1921 der Karlschacht und der Juliusschacht gegraben wurden. Der Karlschacht war Förder- und Fahrschacht, während der Juliusschacht nur als Fahr- und Wetterschacht diente. Das am Karlschacht geförderte Erz wurde über eine Feldbahn zum Barbaraschacht und von dort durch den Luitpoldstollen zu den Hochöfen verbracht. Die Fördermengen am Karlschacht erreichten 8.000 t pro Jahr.

Mit Einstellung des Bergbaubetriebes in 1964 wurde der Schacht verfüllt und die Schachtanlage bis 1968 abgebaut. 1969 wurde der Schacht mit einer Betonplatte abgedeckt.

Karlschacht

Am hinteren Erzberg entstand ab 1818 ein unterirdisches Geflecht an Stollen und Schächten. Wie alte Pläne zeigen, wurden von 1818 bis 1919 unzählige Förder-, Blind-, Wetter- und Schürfschächte gegraben und Abbausohlen angelegt.

1921 wurde der Karlschacht, als zentraler Förderschacht des hinteren Erzberges, abgeteuft. Die hier gewonnenen Erze wurden ab 1924 über eine 1,2 km lange Feldbahn zum Barbaraschacht und dort über den Luitpoldstollen zu den Erzbunkern am Hochofen der Luitpoldhütte verbracht.

Über Jahre entstand durch Einbrüche und Erdsenkungen in diesem Abbaugebiet die größte Pingenlandschaft am Erzberg.

Karlschacht und Abbausohlen

Der 71 m tiefe Karlschacht und der etwa 200 m westlich gelegene und 55 m tiefe Juliusschacht wurden 1921 abgeteuft. Der Karlschacht diente zur Förderung, der Juliusschacht zur Bewetterung. Über beide aber konnten die Bergleute über eiserne Fahrten (Leitern) ein- und ausfahren.

Zwischen den drei Hauptabbausohlen lagen mehrere ältere Sohlen und Schächte über die bereits ab 1818 - damals noch mit einfachen Haspeln - Erz gefördert wurde.

Karlschachtanlage 1921 und 1937

Die Schachtanlage von 1921 bestand aus einem Holzgebäude mit Steigerbüro und Aufenthaltsraum, einem weiteren Holzgebäude mit Arbeiterräumen, einer Wellblechhütte für die Maschinen, einem Karbidschuppen und letztendlich dem hölzernen 7,50 m hohem Förderturm über der 3,50 m x 1,60 m großen Schachtöffnung. Die Wellblechhütte wurde bereits 1924 durch ein größeres und gemauertes Maschinenhaus mit einer Trafostation ersetzt. Darin standen nun eine elektrisch betriebene Fördermaschine und ein Kompressor, der die untertage eingesetzten Bohr- und Abbauhämmer mit Drucklust versorgte. Die elektrischen Pumpen befanden sich unter Tage in der 68 m-Sohle. Westlich des Förderschachtes waren hölzerne 150 t fassende Erzbunker mit der daneben verlaufenden Feldbahn zum Barbaraschacht.

Die wieder hergestellte Schachtanlage von 1937 bestand aus einem Gebäude mit dem Steigerbüro inkl. Bad und einem Aufenthaltsraum. Direkt anschließend war ein Gebäude mit einem Umkleide-, Wasch- und Heizungsraum für etwa 60 Beschäftigte. Dahinter eine separate Abortanlage. Die alte Wellblechbaracke wurde als Schmiede und Materiallager verwendet. Im Maschinengebäude waren die auch schon vorher verwendete Fördermaschine und der Kompressor untergebracht.  Das neue 12 m hohe Fördergerüst bestand nun aus Stahl und wurde 3 m tiefer gelegt, so dass sich die Schachttiefe auf 68 m reduzierte.

Karlschacht - Lebenslauf

Der Karlschacht wurde während seiner 40-jährigen Geschichte dreimal hergestellt und verfüllt.



1921 Herstellung des Schachtes und Bau der Schachtanlage

1931 Einstellung der Erzförderung als Auswirkung der Weltwirtschaftskrise

1933 Verfüllung des Schachtes und teilweiser Rückbau der Schachtanlage

1937 Wiederherstellung des Schachtes und Neuaufbau der Schachtanlage wegen Rüstungsindustrie

1945 „Absaufen“  des Schachtes nach Ausfall der Stromversorgung wegen Bombenangriff

1946 Verfüllung des Schachtes und Stilllegung der Schachtanlage

1951 Wiederherstellung des Schachtes

1957 Einstellung der Erzförderung aus wirtschaftlichen Gründen

1960 Aufgabe des Karlschachtes

1964 Endgültige Verfüllung des Schachtes und Abbau der Schachtanlage

Karlschachtanlage 2025

Nach dem endgültigen Verfüllung des Schachtes und dem Abbau der Anlageteile in 1964 sind auf dem ursprünglichen Gelände nur mehr die beiden Gebäude mit dem Steigerbüro, dem Aufenthaltsraum und den Arbeiterräumen erhalten. Die Gebäude sind bewohnt und im Privatbesitz. Der verfüllte und abgedeckte Schacht ist öffentlich nicht zugängig.

Die durch den Abbau bedingte Pingenlandschaft zwischen dem Karl- und dem Juliusschacht ist von Bäumen und Sträuchern überwachsen. Die Trasse der Feldbahn und die ursprüngliche Zufahrt zur Anlage sind sind nicht mehr erkennbar. Am Erzweg stehen noch zwei AOVE-Informationstafel, die an das Abbaugebiet am hinteren Erzberg erinnern.