Barbaraschacht mit Schachtanlage
Der Bau des Barbaraschachtes, einschließlich seiner Anlagen, erfolgte als Ersatz des nicht mehr ausreichenden und von Bergschäden betroffenen Ludwigschachtes. Die Arbeiten begannen 1881 und wurden mit der Inbetriebnahme 1883, gleichzeitig mit dem ersten Hochofen, vollständig abgeschlossen. Der anschließend verfüllte Ludwigschacht liegt jetzt unter der Deponie begraben. Durch den Barbaraschacht wurde das Erz aus den Abbaugebieten des vorderen und hinteren Erzberges über den Luitpoldstollen zum Hochofen transportiert. Der Barbaraschacht war der zentrale Förderschacht des Erzberges. Mehrmals erreichten die Fördermengen 130.000 t im Jahr.
Mit Einstellung des Bergbaubetriebes in 1964 wurde der Schacht 1967 verfüllt, die Schachtanlage 1968 abgebaut und der Schacht 1969 mit einer Betonplatte abgedeckt.
Barbaraschacht und Stollen
Vom Barbaraschacht aus, in 41 m Teufe
(Tiefe) wurde 1889 der Luitpoldstollen gegraben und über eine eiserne Brücke an den Hochofen angeschlossen. Der 1842 fertiggestellte Theresienstollen bekam in 74 m Tiefe einen Anschluss an den Barbaraschacht. Bereits ab 1924 beförderte eine Feldbahn das am Karlschacht gewonnene Erz zur Anlage am Barbaraschacht. Vom Wetterschacht aus wurde bis 1944 eine 500 m lange Oststrecke geschaffen und auf Höhe des Theresienstollens an den Schacht angeschlossen. Damit liefen nun auch alle Erzförderungen des hinteren Erzberges zum Barbaraschacht und dann weiter über den Luitpoldstollen zu den Hochöfen.
Barbaraschachtaufbau
Der 130 m tiefe Barbaraschacht war vertikal aufgeteilt in vier Trume (Teile eines Schachtquerschnittes). Er bestand aus zwei Fördertrume, einem Pumpentrum und einem Fahrtrum. In den beiden Fördertrume hingen die Förderkörbe
(Gestell mit Trageboden).
Im Pumpentrum verliefen die Versorgungsleitungen und die Rohre für die unterirdischen Wasserpumpen sowie die Druckluftleitungen für die Presslufthämmer. Im Fahrtrum waren Fahrten
(eiserne Leitern) zum Einfahren
(Einsteigen) für die Bergleute angebracht. 1948 wurde die Seilfahrt
(Personenbeförderung im Förderkorb) zwischen dem Abschnitt Theresienstollen und III. Tiefbausohle eingeführt.
Barbaraschacht und Tiefbausohlen
Der Erzkörper wurde über die Jahre nacheinander mit vier Tiefbausohlen und mehreren dazwischen liegenden Teilsohlen erschlossen. Die jeweilige Tiefbausohle war auf das Niveau des Theresienstollens bezogen und stellte den Boden einer "Etage" dar auf dem die Grubenbaue durchgeführt wurden.
Außer der IV. Tiefbausohle hatten alle anderen über die Füllörter (Raum zur Beladung der Förderkörbe) direkten Anschluss an den Schacht. An den Füllörtern wurden die Hunte (Förderwagen) in die Förderkörbe geschoben. Die IV. Tiefbausohle war über Blindschächte (Schacht ohne Tageslichtöffnung) an die III. Tiefbausohle angebunden.
Barbaraschachtanlage 1883
In der Schachtanlage standen ein Kesselhaus mit zwei Dampfkesseln und links davon ein gemauerter 30 m hoher Kamin. Vor dem Kesselhaus war das Pumpenmaschinenhaus mit den dampfbetriebenen Pumpen für die Wasserhaltung und dahinter das Förderhaus mit der dampfbetriebenen Fördermaschine. Rechts neben dem Pumpenhaus und teilweise über der 1,50 m x 5,40 m großen Schachtöffnung wurde aus Gewichtsgründen ein Schachthaus im Fachwerksbau errichtet.
20 m von den Maschinengebäuden entfernt standen ein Doppelhaus für zwei verheiratete Maschinenwärter und ein Wirtschaftsgebäude für zwei Familien mit jeweils einem Kuh- und Schweinestall. Da diese Höhe quellenfrei ist, wurde das Trinkwasser ursprünglich aus einer Zisterne geschöpft die mit dem filtrierten Dachwasser gespeist wurde.
Barbaraschachtanlage 1962
Mit zunehmenden Elektrifizierung wurde ab 1907 auch der Dampfbetrieb an der Förder- und Pressluftanlage auf Drehstrombetrieb umgestellt. Die dampfbetriebenen Pumpen wurden durch elektrische ersetzt und in die Pumpenkammern der Tiefbausohlen verlagert. Die nicht mehr benötigten Gebäudeteile für den Dampfbetrieb wurden abgerissen und im Kesselhaus eine Werkstatt eingerichtet. 1923 wurde für die neue Feldbahn zum Karlschacht ein Lok- und ein Kohleschuppen gebaut.
Zur Absicherung der Stromversorgung entstand 1944 eine splitter- und brandbombensichere Trafostation für den Anschluss an das öffentliche Versorgungsnetz.
Ein Wasserhochbehälter mit Quellwasser aus 146 m Tiefe versorgte die Luitpoldhütte und weitere Stadtteile mit Trinkwasser.
Barbaraschachtanlage 2025
Nach der Einstellung des Bergbaus und dem Rückbau der Barbaraschachtanlage - einschließlich dem Abbruch des Förderturmes - in 1968 ist das fussballfeldgroße Areal von Bäumen, Sträuchern und Brennnesseln überwachsen. Die in 1944 gebaute Trafostation ist, als ein von der Technik leergeräumter Turm, noch erhalten geblieben. Im Herbst, wenn der Bewuchs schwindet, erkennt man noch einen Trinkwasserhochbehälter und etwas abseits vom Erzweg die Betonplatte über den verfüllten Barbaraschacht. Den für den Bergbau so symbolträchtigen und 10 m hohem Förderturm sieht man nur noch auf einer dort stehenden AOVE-Informationstafel, die einzig noch an die 1883 erbaute und über 80 Jahre lang betriebene Barbarschachtanlage erinnert.
