Grubenwasser
Grundwasser und versickertes Oberflächenwasser dringt permanent in die unterirdischen Bergbauten ein. Damit diese nicht "Absaufen" muss das anfallende Grubenwasser ständig entsorgt werden. Sobald sich die Grubenbauten unter dem Niveau eines Stollens mit Tageslichtöffnung befinden, muss das Grubenwasser zumindest auf Höhe des Stollens gebracht werden, damit es durch diesen in natürliche Gewässer abfließen kann.
Bis in das Mittelalter hinein erfolgte die Entwässerung entweder händisch mit Schöpfeimern oder durch Wasserkünste (mechanische Wasserhebemaschinen) die von Pferden oder Wasserrädern angetrieben wurden. Im 19. Jh. setzten sich dann dampfbetriebene Maschinen durch, die letztendlich durch druckluft- oder elektrisch-betriebene Pumpen abgelöst wurden.
Wasserhaltung
Trinkwasserquelle
die erste bayerische Dampfmaschine zur Wasserhaltung wurde 1830 am Ludwigschacht am vorderen Erzberg eingesetzt.
Der zweite Theresienschacht wurde auf 23 Lachter (45 m) unter dem Niveau der Vils abgeteuft, „wovon der letztere zu seiner Vollendung noch um 3 Lachter tiefer zu führen ist." 7 2 Um des großen Wasserzudranges Herr zu werden, stellte
man 1858/59 eine zweite Dampfmaschine von Earnshaw auf. Es arbeiteten nun „zwei Hochdruck-Dampfmaschinen mit Expansions-Vorrichtung und 2 Kesseln. Jede hat 12 Pferdekräfte und dienen zur Zeit zur Wasserhaltung." 7 3
Generaladministrator und Ministerialcommissär von Schenk sprach am 26. A p r i l 1876 schon von einem „neuen
Tiefbau", für dessen Wasserhaltung „amerikanische Dampfpumpen" — Saugpumpen im Gegensatz zu den bisher benutzten Druckpumpen — zum Einsatz kamen. Diese „arbeiten in der Grube und es hat jede eine Saughöhe von ungefähr
6—7 Meter. Es ist nun nothwendig, sobald diese Saughöhe mit einer Maschine erschöpft ist, zum weiteren Tiefergehen eine andere aufzustellen, denn sonst wäre ein weiteres Ablaufen nicht möglich"
1913/14 verfügte die Grube zur Wasserhaltung im III. Tiefbau über zwei neue Hochdruck-Zentrifugalpumpen mit je 4—4,5 m3 / m i n Normal- und 5 m3 / m i n Maximal-Leistung der Fa. J. A . Hilpert in Nürnberg, deren Wasser durch den Luitpoldstollen zu dem 2000 m 3 fassenden Klärbecken als Betriebswasser der Hütte, insbesondere der Hochöfen, geleitet wurden; zwei Reservepumpen konnten die Wasser durch den Theresienstollen zutage fördern.
1927 begann die Erschließung des IV. Tiefbaus. Für die Wasserhaltung war eine Pumpe von 5 m3 / m i n Leistung zur Förderung in den Sumpf des III. Tiefbaus und eine weitere von 7 m3 / m i n für die Förderung auf die Theresienstollen-Sohle vorgesehen. Die Energieversorgung der Wasserhaltung erfolgte durch eine 5000 V Drehstromleitung von der Kraftzentrale der Hütte zu zwei Transformatoren auf der Rasensohle des Barbaraschachtes, die den Strom auf 380 V umformten. Von dort führten zwei von einander unabhängige Kabel direkt zu den Antriebsmotoren der Pumpenaggregate. Später wurden die Transformatoren in die Pumpenstation des IV. Tiefbau verlegt.
Für die Wasserhaltung war eine Pumpe von 5 m3 / m i n Leistung zur Förderung in den Sumpf des III. Tiefbaus und eine weitere von 7 m3 / m i n für die Förderung auf die Theresienstollen-Sohle vorgesehen. Die Energieversorgung der Wasserhaltung erfolgte durch eine 5000 V Drehstromleitung von der Kraftzentrale der Hütte zu zwei Transformatoren auf der Rasensohle des Barbaraschachtes, die den Strom auf 380 V umformten. Von dort führten zwei von einander unabhängige Kabel direkt zu den Antriebsmotoren der Pumpenaggregate. Später wurden die Transformatoren in die Pumpenstation des IV. Tiefbau verlegt.
1922 Zur gleichen Zeit wurde im Karlschacht die Kübelförderung durch Gestellförderung mit unter den Förderkörben
hängenden Wasserkästen abgelöst
1938 Karlschacht Auch das Füllort, die Pumpenkammer auf der 68 m-Sohle und der Sumpf wurden wieder auf gewältigt. Eine el. Kreiselpumpe mit 250 1/min Leistung hob die zusitzenden Wasser übertage. 1943/44 war auf der neu angefahrenen 78 m-Sohle eine Preßluftpumpe für die Wasserhaltung eingesetzt. Der Sumpf für die zulaufenden Wasser lag 2 m unter der 78 m-Sohle. Der Wasserzulauf in der Karlschacht-Anlage betrug ca. 20 1/min.
Besondere Bedeutung kam der 1898/99 am Hochofen errichteten, bereits erwähnten „Primärstation" zu. Die dort unter Ausnutzung der Hochofengase erzeugte Energie war, wie bereits beschrieben, vor allem für die Wasserhaltung des Bergbaus bestimmt. Das Hochofengas war eine billige Quelle zur Dampferzeugung. Zwei durch Dampfkraft betriebene Dynamos dienten der Erzeugung von Gleichstrom, mit dem sowohl der Bergbau als auch der Hochofen versorgt wurde. Der Hochofen verfügte 1895 über sechs Dampfkessel. 1891 wurde ein zweites Reservoir für die Wasserversorgung der Dampfkessel gebaut. Von 1894 bis 1899 wurden die Gebäude am Theresienstollen, die Hochofenanlage, der Barbaraschacht und die Primärstation als erste Entnahmestellen an das Trinkwasser-Leitungsnetz der Stadt Amberg angeschlossen.
Bereits im Juni 1945 wurde die Sümpfung der Barbaraschacht-Anlage eingeleitet. Im folgenden Jahre wurde der III. Tiefbau erreicht und die dortige Wasserhaltung wieder in bestriebsbereiten Zustand versetzt. Im Laufe des Jahres 1947 wurde auch der IV. Tiefbau von den eingedrungenen Wassern befreit, so daß 1948 die gesamte Wasserhaltung der Grube die Arbeit wieder aufnehmen konnte.
Die Gewältigung der in der Grube zulaufenden Wasser konnte von den Pumpen-Aggregaten der Vorkriegszeit wieder einwandfrei durchgeführt werden. Die Gesamtleistung aller Pumpen betrug 22 m3/min bei Hebung der Wasser zur Theresien-und Luitpoldstollen-Sohle. 1949 wurde im Pumpenraum des IV. Tiefbaus ein weiterer Transformator 5000/380 V zur Energieversorgung einer mit einem Drehstrom-Motor ausgerüsteten Trinkwasserpumpe installiert. Für die Wasserhaltung der 77 m-Sohle war eine Unterwasser-Pumpe eingesetzt, welche die zulaufenden Wasser in die Seige der 72 m-Sohle hob. Dort wurden sie von der Wasserhaltung des IV. Tiefbaus erfaßt. Im Sonderbetriebsplan vom 22. Juli 1958 wurden für die Wasserhaltung des Bergwerkes zwei getrennte Systeme angegeben:
1) Die Wasserhaltung I beförderte die in der Grube zusitzenden Schmutzwasser durch die Pumpen über den Luitpoldstollen zu dem 87 m vom Mundloch dieses Stollens entfernten Klärbecken. Von dort wurden sie als Nutzwasser dem Hüttenbetrieb zugeführt. Eine weitere Rohrleitung im Theresienstollen konnte im Falle von Störungen und Reparaturen an der Steigleitung im oberen Teile des Barbaraschachtes und an der Leitung im Luitpoldstollen die Wasser in die Vils ableiten.
Barbaraschacht und Stollen
Vom Barbaraschacht aus, in 41 m Teufe
(Tiefe) wurde 1889 der Luitpoldstollen gegraben und über eine eiserne Brücke an den Hochofen angeschlossen. Der 1842 fertiggestellte Theresienstollen bekam in 74 m Tiefe einen Anschluss an den Barbaraschacht. Bereits ab 1924 beförderte eine Feldbahn das am Karlschacht gewonnene Erz zur Anlage am Barbaraschacht. Vom Wetterschacht aus wurde bis 1944 eine 500 m lange Oststrecke geschaffen und auf Höhe des Theresienstollens an den Schacht angeschlossen. Damit liefen nun auch alle Erzförderungen des hinteren Erzberges zum Barbaraschacht und dann weiter über den Luitpoldstollen zu den Hochöfen.
Barbaraschachtaufbau
Der 130 m tiefe Barbaraschacht war vertikal aufgeteilt in vier Trume (Teile eines Schachtquerschnittes). Er bestand aus zwei Fördertrume, einem Pumpentrum und einem Fahrtrum. In den beiden Fördertrume hingen die Förderkörbe
(Gestell mit Trageboden).
Im Pumpentrum verliefen die Versorgungsleitungen und die Rohre für die unterirdischen Wasserpumpen sowie die Druckluftleitungen für die Presslufthämmer. Im Fahrtrum waren Fahrten
(eiserne Leitern) zum Einfahren
(Einsteigen) für die Bergleute angebracht. 1948 wurde die Seilfahrt
(Personenbeförderung im Förderkorb) zwischen dem Abschnitt Theresienstollen und III. Tiefbausohle eingeführt.
Barbaraschacht und Tiefbausohlen
Der Erzkörper wurde über die Jahre nacheinander mit vier Tiefbausohlen und mehreren dazwischen liegenden Teilsohlen erschlossen. Die jeweilige Tiefbausohle war auf das Niveau des Theresienstollens bezogen und stellte den Boden einer "Etage" dar auf dem die Grubenbaue durchgeführt wurden.
Die I, II und III. Tiefbausohlen hatten über die Füllörter (Raum zur Beladung der Förderkörbe) direkten Anschluss an den Schacht. An den Füllörtern wurden die Hunte (Förderwagen) in die Förderkörbe geschoben. Da die IV. Tiefbausohle keinen direkten Anschluss an den Barbaraschacht hatte wurde das Erz über Blindschächte (Schacht ohne Tageslichtöffnung) auf die III. Tiefbausohle gehoben.
Barbaraschachtanlage 1883
In der Schachtanlage standen ein Kesselhaus mit zwei Dampfkesseln und links davon ein gemauerter 30 m hoher Kamin. Vor dem Kesselhaus war das Pumpenmaschinenhaus mit den dampfbetriebenen Pumpen für die Wasserhaltung und dahinter das Förderhaus mit der dampfbetriebenen Fördermaschine. Rechts neben dem Pumpenhaus und teilweise über der 1,50 m x 5,40 m großen Schachtöffnung wurde aus Gewichtsgründen ein Schachthaus im Fachwerksbau errichtet.
20 m von den Maschinengebäuden entfernt standen ein Doppelhaus für zwei verheiratete Maschinenwärter und ein Wirtschaftsgebäude für zwei Familien mit jeweils einem Kuh- und Schweinestall. Da diese Höhe quellenfrei ist, wurde das Trinkwasser ursprünglich aus einer Zisterne geschöpft die mit dem filtrierten Dachwasser gespeist wurde.
Barbaraschachtanlage 1962
Im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung wurde 1907 die Dampffördermaschine von 1883 gegen eine elektrische Fördermaschine ausgetauscht. Die dampfbetriebenen Pumpen wurden durch elektrische ersetzt und in die Pumpenkammern der Tiefbauebenen verlagert. Auch die dampfbetriebene Pressluftanlage wurde elektrifiziert. Die nicht mehr benötigten Gebäudeteile für den Dampfbetrieb wurden abgerissen und im Kesselhaus eine Werkstatt eingerichtet. 1923 wurde für die neue Feldbahn zum Karlschacht ein Lok- und ein Kohleschuppen gebaut.
Zur Absicherung der Stromversorgung entstand 1944 eine splitter- und brandbombensichere Trafostation für den Anschluss an das öffentliche Versorgungsnetz. Ab 1950 wurde Quellwasser aus 111 m Tiefe durch den Schacht in einem neuen Hochbehälter für die Trinkwasserversorgung der Luitpoldhütte und anliegender Stadtteile gepumpt.
Barbaraschachtanlage 2025
Nach der Einstellung des Bergbaus und dem fast vollständigem Rückbau der Barbaraschachtanlage in 1966 ist das fussballfeldgroße Areal von Bäumen, Sträuchern und Brennnesseln überwachsen. Einzig die in 1944 gebaute Trafostation ist als leergeräumter Turm noch erhalten geblieben. Im Herbst, wenn der Bewuchs schwindet, erkennt man noch einen Trinkwasserhochbehälter und etwas abseits vom Erzweg die Betonplatte über den verfüllten Barbaraschacht. Den für den Bergbau so symbolträchtigen Förderturm sieht man nur noch auf einer dort stehenden AOVE-Informationstafel, die einzig noch an die 1883 erbaute und über 80 Jahre lang betriebene Barbarschachtanlage erinnert.
